Nachwuchsschiedsrichter arbeiten an ihrer Zukunft

Im Gespräch: Die Lehrgangsleiter Claudius Böhnke und David Kraußer (v.l.n.r.)

Wochenende. Samstag Vormittag. 22 junge Schiedsrichter sind extra früh aufgestanden, um den ganzen Tag mit ihrem liebsten Hobby, der Schiedsrichterei, zu verbringen. Heute steht allerdings nicht der „Alltag“ einer Spielleitung auf dem Plan, heute geht es zu einer Schulung, die sie in ihrer Leistung und Karriere voranbringen soll: Dem Förderkaderstützpunkt.

Aufgeteilt in zwei Gruppen, dem Nachwuchskader für die jüngsten Talente im Kreis und dem Förderkader für aufstrebende Talente kurz vor dem Aufstieg in Kreisliga und Verbandsliga der Herren, widmeten sich die Schiedsrichter zusammen mit ihren drei Referenten Claudius Böhnke, David Kraußer und dem ehemaligen FIFA-Schiedsrichterassistenten und derzeitigen Beobachter der Regionalliga bzw. Frauenbundesliga Kai Voss den vertiefenden Lehrthemen des Tages.

Claudius Böhnke zeigt den Schiedsrichtern, worauf sie als SRA achten müssen.

Für den Nachwuchskader stand der Themenschwerpunkt der Tätigkeit als Schiedsrichterassistent auf dem Programm. Neben der Theorie konnte Referent Claudius Böhnke auch in einer kleinen Praxiseinheit den strahlenden Sonnenschein über dem Sportplatz des gastgebenden SV Eichede nutzen. Zum Abschluss des Nachwuchskader-Stützpunktes zeigte Claudius den jungen Schiedsrichtern schließlich noch Abseitsvideos, die sie genauso blitzschnell zu entscheiden hatten, wie bei ihrem realen Einsatz auf dem Sportplatz. „Das war teilweise schwierig zu entscheiden, hat aber unheimlich Spaß gemacht“, sagte ein Teilnehmer nach dem Lehrgang.

Prüfung muss sein. Der Förderkader schreibt einen Regeltest.

Für die Förderkaderschiedsrichter begann der Tag weniger mit Spaß denn mit einem Pflichtprogramm. Wie vor jedem Stützpunkt, müssen die Schiedsrichter ihre Fitnessprüfung, den FIFA-Test, zunächst ablegen. Dies gelang allen Teilnehmern auf der Laufbahn des SV Türksport Bad Oldesloe mit Bravour, ehe sie durch einen schriftlichen Regeltest zeigen konnten, dass sie auch die Theorie beherrschen.

Danach ging es für die Schiedsrichter mit zwei Stützpunktthemen „in die Vollen“: Kai Voss hielt einen Vortrag über „Cleverness“ als Schiedsrichter. Da die Fußballregeln nicht schwarz oder weiß sind, ist es manchmal von großem Vorteil einer Spielleitung, taktisch zu entscheiden, ohne dabei selbst gegen die Spielregeln oder die eigene Neutralität zu verstoßen.

Auch Körpersprache ist wichtig: Das richtige Fahnenzeichen soll auch gut vermittelt werden. Lehrgangsleiter Claudius Böhnke schaut zu und gibt Rückmeldung.

Auf Grund einiger negativer Erfahrungen in der Vergangenheit hat David Kraußer mit den Förderkaderschiedsrichtern intensiv über den Einsatz von Technik in der Schiedsrichterei gesprochen. Auch wenn es den Videobeweis auf Kreis- und Verbandsebene noch nicht gibt, ist die Anwendung von Funkfahnen in einem Schiedsrichtergespann auf fast allen Ebenen schon zur Normalität geworden. Auch das Headset im Schiedsrichtergespann findet in den unteren Verbandsspielklassen und vereinzelt auf Kreisebene schon Anwendung. Damit der Einsatz dieser durchaus sinnvollen und hilfreichen Technik sich aber nicht ins Gegenteil umschlägt, sollte die Anwendung dieser Technik genau besprochen und durchdacht sein.

Am Ende eines arbeitsreichen Tages verließen die Schiedsrichter den Lehrgangsort müde, aber zufrieden: „Stützpunktarbeit ist nicht so trocken, wie man denkt, sondern kann auch sehr kommunikativ und spannend sein“, stellt ein erschöpfter, aber grinsender Schiedsrichter fest.