Handspiel auf der Torlinie führt zu Feldverweis

oder: Wann gibt es im Strafraum eigentlich noch rot?

Ein Fall aus der gängigen Praxis. Vor ein paar Tagen kommt es in einem Spiel auf einem unserer schönen Sportplätze im Kreis zu einem Eckstoß. Der gestoßene Ball fliegt mitten in den Strafraum und vor die Füße des Stürmers, der nur noch schießen muss. Der Torwart hat keine Chance und der Ball fliegt mitten auf das Tor. Dort steht allerdings ein anderer Verteidiger, der beim Schuss die Arme hochreißt und den Ball mitten in der Luft an den Unterarm bekommt. Ohne dieses eindeutig strafbare Handspiel wäre der Ball ins Tor gegangen.

Der Schiedsrichter entscheidet auf Strafstoß und zum Entsetzen einiger Spieler auch auf „rot“ für den handspielenden Spieler. Es gäbe kein rote Karte mehr im Strafraum, belehrt ein Spieler den Schiedsrichter. „Die Doppelbestrafung wurde abgeschafft“, berichtet ihm ein weiterer. Doch unser Kamerad hat nicht umstimmen lassen und den Feldverweis durchgesetzt. Völlig zurecht.

Für uns ist dies ein Anlass, die „neue“ Strafraumregelung einmal im Detail zu beleuchten.

Das Verhindern eines Tors oder einer offensichtlichen Torchance, wie die „Notbremse“ korrekt heißt, findet sich in Regel 12 der DFB-Fußballregeln. Darin heißt es „Wenn ein Spieler ein Tor […] der gegnerischen Mannschaft durch ein absichtliches Handspiel vereitelt, wird er unabhängig vom Ort des Vergehens des Feldes verwiesen.“ Das bedeutet: Ein Handspiel zur Torverhinderung ist immer der Feldverweis auf Dauer.

An dieser Stelle könnten wir unseren Artikel beenden, ist die Sachlage doch klar: Der Schiedsrichter hatte recht, die Spieler haben die neue Regel durcheinandergebracht. Allerdings bleibt immer noch die Frage nach der neuen Regelung mit der Doppelbestrafung.

Wann gibt es eigentlich nur „gelb“ bei der Notbremse?

Dazu bedarf es mehrerer Bedingungen:
1. Das Vergehen muss im Strafraum geschehen sein.
2. Der Spieler muss versucht haben, den Ball zu spielen.
3. Es muss sich um ein Fußvergehen handeln.

In allen anderen Situationen (z.B. Halten, Ziehen, Stoßen oder wenn der Spieler keine Möglichkeit hatte, den Ball zu spielen) wird weiterhin ein Feldverweis auf Dauer verhängt. Das gleiche gilt auch für die sogenannten „groben Foulspiele“, die überall auf dem Spielfeld mit der roten Karte bestraft werden. Hier ist nicht die Torverhinderung der Grund für den Feldverweis, sondern die Intensität des Foulspiels.

Es gibt im Strafraum also sehr wohl noch rote Karten. Dass durch diese Regelung die Doppelbestrafung abgeschafft wurde, ist zwar richtig. Aber das gilt nur für das Verhindern einer Torchance, die durch den verhängten Strafstoß wiederhergestellt wird. Übrigens: Wird ein aussichtsreicher Angriff (bekannt als „taktisches Foulspiel“) im Strafraum gestoppt, kann unter ähnlichen Bedingungen auf die fällige Verwarnung verzichtet werden. Die Regel wird hier analog angewendet.